Pfui Teufel!

Wir waren letztens zu einer Taufe in der katholischen Kirche eingeladen. Als nicht besonders routinierte Kirchengängerin bin ich mit der Liturgie so einer Taufzeremonie nicht besonders vertraut. Daher finde ich es immer furchtbar anstrengend, die wichtigen Stellen abzupassen und die Lippen bei den Gebeten und Fürbitten halbwegs treffend zu bewegen. Dieses Mal machte ich mir ausnahmsweise aber mal keine Sorgen um meine pantomimischen Einsätze, da ich mir mein eigenes Baby mitgebracht hatte! Ja, so ist meine Logik: wer ein Baby in der Messe vor sich hin und herschaukelt, der kann nicht auch noch voll konzentriert der Zeremonie folgen.

Also wiegte ich mich in Sicherheit, überließ meinen Kopf seinem natürlichen Zustand (Vakuum) und schaute nur sporadisch mit einem gütigen Lächeln zur Kanzel hinauf. Im Hintergrund nahm ich wahr wie sich der Täufling schreiend auf dem Schoß seiner Mutter wand während der Priester einen Redeschwall auf uns herniederprasseln ließ, der sich mir inhaltlich aber gänzlich entzog.

Plötzlich machte der Priester ruckartige Bewegungen, rannte von seiner Kanzel zum schreienden Täufling rüber und umschloss seinen Kopf ganz fest mit den Händen. Der kleine Kerl war so erschrocken, dass er das Schreien vergaß. So abrupt wie der Priester die Kopfquetsche angelegt hatte, hörte er damit auch auf und rannte zurück zur Kanzel. Dort stellte er sich einfach stillschweigend wieder hin.

Da ich vorher nicht zugehört hatte, wusste ich nicht was die ganze Aktion für einen Hintergrund hatte. Die anderen offensichtlich auch nicht. Wir glotzten den Priester so dermaßen belämmert an, dass unsere Ratlosigkeit bei ihm schon fast körperliche Beklemmungen hervorrief. Er mißinterpretierte unsere Ahnungslosigkeit als Erwartungshaltung und blaffte uns an: „ Ja was?! Der Exorzismus in der katholischen Kirche ist halt nicht so spektakulär wie im Fernsehen!“

 

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Der Blues

Heute Nacht finde ich den Blues. Nur den Blues.

Dafür muss ich auch gar nicht groß weggehen und mich hübsch machen. Ich bleibe einfach an meinem Schreibtisch sitzen. In meinem Herzen trommelt jemand, jemand zupft an einem Bass herum und eine verrauchte, leidenschaftliche Stimme bestätigt – Heute Nacht finde ich den Blues.

Meine Blicke wandern dabei über den chaotisch anmutenden Wust auf dem Schreibtisch. Eine Ansammlung aus Vergangenheit, Vorvergangenheit und Gegenwart, sogar ein bißchen Zukunft. Postkarten, Bilder, Steuerrichtlinien, Schlüssel, Kaffeetasse, unzählige Stifte, Blöcke, autoscooterfahrender Weihnachtsmann, Einladung zum Wintersemester 98 und der WIHOGA in Dortmund, Teddybär mit benutzten Akkupunkturnadeln im Ohr, angeknabberte Schokolade, Kaugummis, eine Chipsdose von einem Rockfestival in Scheesel, eine Lollidrehvorrichtung aus Amerika, eine Pfauenfeder aus Oldenburg, Kerzen, Tintenfass. Alles da!

Was für ein Blues…

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Der Mond

Der weise Mond

Der weise Mond, allgegenwärtig

Allgegenwärtige, verkannte Weisheit

Allgegenwärtige, verkannte Treue

Allgegenwärtige Lehre der Vergänglichkeit und Liebe

Ob Krieg, ob Tod, ob Hochzeit

Er scheint

Niemals besoffen

Immer wachsend dann schrumpfend

Niemals seinen Rhytmus verlierend

Niemals aufdringlich die Botschaft verkündend

Er könnte furzen und uns endlich sagen

„Du bist nur ein Furz“

Er könnte lachen um uns zu sagen

„Du verhallst“

Doch er ist vollkommen

uns sein zu lassen.

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Die Welt

Nach aufreibenden  mehreren Sekunden habe ich die Suche nach meinem allereinzigsten selbstausgedachten Gedicht aufgegeben.

Obschon es die Quintessenz des menschlichen Seins zusammenfasst, ist es ganz schlicht. Natürlich absolut zeitlos, zumindest  für die nächsten tausend Jahre (sofern dann noch Menschen sind).

Und was das Größte daran ist, es ist der totale Frustkiller. Wenn man scheiße drauf ist, dann liest man das durch und danach ist alles super.

Könnte so kotzen, dass ich es  verlegt habe!

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Wir sind alle nur irgendwie unterwegs….

Ich dachte immer, es wird der blanke Horror!

Ich bewunderte alle, die mit Nonchalance diesen Zustand akzeptiert hatten – ja sogar damit kokettierten – allerdings hatte ich auch eine Art Mitleid mit ihnen, weil es sie jetzt schon erwischt hatte. Ich wähnte mich im Glück, weil es bei mir ja noch ewig lange hin war. Ich hatte noch ein paar unbeschwerte Jahre vor mir, dann nur noch ein paar Monate, und da spürte ich sie schon kommen… Ich fühlte mich plötzlich sehr schlecht, war gereizt, sah beschissen aus, bekam Schmerzen die ich auf Rheuma, Arthrose oder auch Gicht zurückführen konnte, dement war ich eh schon lange, die Haare fühlten sich ganz dünn an, das Zahnfleisch floh… was soll ich sagen, ich war ein Wrack!

Über Nacht ist es dann passiert. Sie war da! Die 40! Stand im Käsekuchen und brannte lustig vor sich hin, die Sau!

Natürlich fühlte ich mich überfallen, was soll das denn jetzt? Ich bin doch voll der superfitte, dynamische, unheimlich szenemäßige Topcheckertyp! Ich kenn mich noch voll aus mit den jungen Menschen, ich weiß was „Opfer“ heißt und BFF geht mir nur so von den Lippen!  Da kann ich doch nicht so ne 40 haben?!?

Vor allem ist das total peinlich und dann muss ich mich bestimmt immer erklären. Shit, wem soll ich denn überhaupt noch was erklären, wer will denn mit einem reden, der ne 40 hat??

 Zum Glück saß ich im Flugzeug, als sie immer mehr über mich hereinbrach und konnte übernächtigt gar nicht so viel negative Energie aufbringen, um sie fertig zu machen. Ich musste sie wider mein widderliches Naturel einfach annehmen und dann mal gucken, was damit passiert.

Im Urlaub entdeckte ich dann schon erste sonderbare Veränderungen an mir… Ich war so nett. Natürlich nicht zu anderen, um Gottes Willen, der Mensch ändert sich nicht über Nacht!

Aber zu mir war ich nett! Fußmassage am Strand,  hätte ich bisher nicht eine Sekunde drüber nachgedacht und die Körperknete anbietende Lady sofort vom ortsansässigen Ordnungsamt verhaften lassen.  Aber plötzlich fiel mir ein, dass ich Fußmassage total super finde und eigentlich in diesem langen, harten Leben gerade Mal Zwei davon hatte. Und das mit 40!

Nach diesem Befreiungsschlag, war ich  natürlich auf weitere Abenteuer aus. Die Macht der 40 war jetzt mit mir und obschon sie mir lange Angst eingejagt hatte, fand ich sie jetzt richtig lässig. Sie gefiel mir!

Eine Gelegenheit sie rauszuholen bot sich schnell. Ich war mit dem Kind im Meer, schon seit einer Stunde und vollkommen erschöpft. Wir sind  bei gefühlten 5°Celsius rausgeschwommen, haben uns von den Wellen an den Strand schmeißen lassen, sind dann wieder reingerannt und haben uns wieder an den Strand schmeißen lassen… so ungefähr tausend Mal. Da ich bereits seit zehn Minuten mein jugendlich dynamisches Selbstbild nicht mehr aufrechterhalten konnte, wollte ich raus und sagte dem Kind Bescheid. Auch so ungefähr tausendmal. Damit kam ich scheinbar nicht weiter, also spielte ich die 40. Ich verkündete, dass ich dem Kindesalter nun entwachsen sei und Minustemperaturen körperlich wahrnehmen kann. Ich müsse jetzt auf der Stelle das Wasser verlassen und mich in den heißen Sand legen. Basta! In meinem Altern braucht man auch mal eine Pause! Ich bin total stolz auf mich, diese Botschaft mal klar kommuniziert zu haben.

Mein Joker platzt.

Das Kind kontert mit unangenehmen Worten: „Du bist gar nicht so alt. Du siehst nur so aus. “

Und ich scheiß drauf. Mit der 40 kann ich mir das leisten.

Endlich!

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Danke Mäxchen

weinen

Weinen wir?  Um wen eigentlich? Da wird jemand zu Grabe getragen, superjung, fröhlich, total beliebt, sexy.  aber leider tot.

Dummerweise auch jung. Das tut schon weh.

Trotzdem weine ich nicht.

Der tot ist, hat gelebt.

Wirklich gelebt. Er hat nicht seine Wohnung aufgeräumt und dafür eine Party abgesagt.

Er war vielleicht auch mal genervt und hat trotzdem ein Lächeln geschenkt.

Er fand auch mal Situationen komisch, hat sie aber nicht weiter hinterfragt.

Er hat komische Situationen hervorgerufen, vor denen alle „Puuuuh“ gemacht haben, sie aber irgendwie lustig fanden.

Mit ihm zu sein war immer ein Geschenk.

Pestalozzi-Schulhof zum Beispiel, er hatte einen Gips bis zur Hüfte, trotzdem konnten wir  im Regen voll angenervt vor ihm stehen und gucken wie er sich das scheißsteife Gipsbein hinters Ohr zieht und uns dabei angrinst.  Sich dabei richtig amüsiert.

Und wir Oeger Blagen standen da, haben ihm zugeguckt und gedacht: „Warum scheint uns eigentlich nicht auch die Sonne aus dem Arsch?“

Er war da!

Danke Mäxchen vonnner Schranke . Du hast dein Leben nicht verwirkt.

Danke!

Danke für deine Strahlen!

Danke für dein Lachen!

Danke für deine Nachsicht!

Danke für deine Bescheidenheit!

Danke für deine Sonne!!!

Danke.

Ich weine nicht. Ich bin nur dankbar, dass du da warst.

Wo du bist ist Frieden und Schalke. Und da trinken wir nochmal ein Bier zusammen!

Silly

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Entspannen mit Kindern (I)

Es ist Winter, auch noch ein hässlicher. Feucht, kalt, matschig, dunkel.

Das Shoppen im Karnevalsbedarfsgeschäft ist total in die Hose gegangen und wir stehen an einer nicht überdachten Haltestelle und warten auf die Bahn, die nie pünktlich kommt.  Was bleibt einem da noch um den Abend zu retten?

Nachdem wir die ganze Bahnfahrt überlegt haben, welche Möglichkeiten uns bleiben heute noch etwas Glück zu erfahren, hat meine kreative Freundin die rettende Idee: Im Brauhaus was leckeres Essen und dazu ein frisches Bier! Herrlich! Wir steigen aus und laufen ganz aufgeregt los. Die Vorfreude wird nur durch das Jammern der Kinder, die hinter uns herlaufen etwas gebremst. Als wir feststellen, dass es auch noch unsere eigenen sind, drohen wir mit Freigabe zur Adoption. Dummerweise wissen sie aber schon, dass wir sie mit ihrem käsigen Teint nicht loswerden und meckern weiter. Bis sie sich verplappern und von der bevorstehenden Deutscharbeit erzählen. Das hält sogar uns davor ab schon Feierabend zu machen und wir beschließen heim zu gehen um mit den Kindern zu üben.

Allerdings stoßen wir jetzt auf unerwarteten Widerstand. Die Deutscharbeit ist total einfach, die Kinder können das alles schon längst und außerdem müssen sie da nur was abschreiben. Dafür müssen wir nun wirklich nicht nach Hause gehen und sie wollen sich ganz toll benehmen. Wir sind hin und hergerissen (3 Sekunden) und zwingen uns am Ende dazu den Kindern Glauben zu schenken. Aber nur wenn sie uns gleich die erledigten Hausaufgaben zeigen!

Jetzt wo alle dringend ins Brauhaus wollen, ist die Entspannung schon nahe! Nur noch mal kurz die Hausaufgaben vorlegen lassen… Wir ziehen zwar leicht irritierte Blicke auf uns, als die Kinder ihre Hefte aus den Tornistern holen, aber immerhin knüpfen sie hier keine Teppiche. Wir sind schließlich Muttis mit Vollzeitjob und Fast-Burnout, da  muss man sich halt so organisieren. Den Kindern kommt das auch zu Gute, weil sie sich so die heutzutage absolut wichtige Flexibilität antrainieren.

Die Kinder! Die wissen unser Engagement natürlich wieder überhaupt nicht zu schätzen! Obwohl sie versprochen haben, dass sie sich toll benehmen meckern sie schon wieder rum. Sie finden die Situation peinlich! Da können wir jetzt aber nicht drauf eingehen. Schließlich entdecke ich auch noch Rechtschreibfehler im Text meiner Tochter, die muss sie natürlich sofort korrigieren.  Sie kriegt die Krise, das würde jawohl gar nicht gehen, dass sie Hausaufgaben in der Kneipe macht!

„Im Brauhaus“ korrigiere ich sie, „Das ist in Düsseldorf ein Ort von Kultur und Stadtgeschichte, das ist vollkommen in Ordnung sich hier geistig weiterzuentwickeln.“

„Nein Mama, es ist total erniedrigend hier Hausaufgaben zu machen! Das ist das Peinlichste was es gibt!“  Das sie total überreagiert, kann uns der Sohn meiner Freundin zum Glück bestätigen: „Nein, es wäre noch peinlicher, wenn wir nackt wären.“

Na also, ist doch alles gar nicht so schlimm! Stößchen!

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